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09. September 2010, 05:54:01

« Kirche der Befreiung »

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Autor Thema: Kirche der Befreiung  (Gelesen 5171 mal)
Sabine Graul
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« Antworten #15 am: 06. Mai 2009, 08:22:21 »

Zitat

wenn Helden wie Führer in Leipzig gegen die bis an die Zähne bewaffnete Staatmacht einer gewalttätigen Diktatur aufzustehen wagen und sich immer mehr ganz normale Bürger anschließen und - ich sage das Wort noch einmal, weil ich davon überzeugt bin, dass es das einzig angemessene ist - ebenfalls zu Helden werden. Pfarrer Führer wirst du aber schon als Kirchenmann anerkennen, oder? Und die Nikolaikirche als Ausgangspunkt der friedlichen Revolution auch als Teil der Kirche?

Zum Helden wird man nicht - man wird von anderen dazu gemacht. Die Leipziger Nikolaikirche ist keineswegs so eindeutig Ausgangspunkt der sog. "friedl." Revolution. die Zusammenhänge sind sehr viel komplexer.

Diejenigen innerhalb der Kirche, die "sich der Staatsmacht entgegen stellten" sind erstens nur ein Teil der Kirche in der DDR und zweitens muss man fragen, ob sie sich wirklich als Kirche entgegen gestellt haben oder ob sie es nur verstanden, die Unzufriedenen zu sammeln und deren Wünsche, Forderungen, Unzufriedenheiten zu kanalisieren.

Zitat
Mein Beitrag "Kirche der Befreiung" hat sicherlich gar nichts mit irgendeiner Kirchenleitung zu tun, sondern entstand ausschließlich in meinem Hirn, das sich gewundert hat, dass kaum jemand auf die meines Erachtens nach hervorragende Rolle der Kirche in der DDR bei der Friedlichen Revolution zu sprechen kam.

Vielleicht, weil die Rolle nicht nur so hervorragend war?
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Krause
Gast
« Antworten #16 am: 06. Mai 2009, 11:25:03 »

Hallo Sabine,

wenn es dir lieber ist, formuliere ich etwas präziser, dass die Bürger für mich zu Helden wurden.

Die Kirche in der DDR, die auf vielfältige Weise gezwungenerweise und vielleicht im einen oder anderen Fall auch freiwillig mit dem Unterdrückungsapparat der DDR, sprich der SED mit Schild und Schwert etc., zusammengearbeitet hat, kann natürlich nicht als Ganzes die Befreiung von der DDR eingeleitet und durchgesetzt haben. Aber es freut mich sehr, dass es gerade die kleinen Pfarrer und weniger die großen Offiziellen waren, die Anlaufpunkte für Bürgerproteste geschaffen haben. Wie gesagt, für mich ein Ruhmesblatt der Kirche in der DDR.

Und ich möchte hier ausdrücklich noch einmal betonen, dass Pfarrer Führer und viele andere Pfarrer und Kirkchenglieder für mich einen ganz wesentlichen Teil zur Friedlichen Revolution beigetragen haben und zumindest die, die am und vor dem 9. Oktober 1989 aktiv waren, für mich Helden im besten und edelsten Sinne sind. Helden, auf die Deutschland stolz sein kann, darf und soll.

Gruß,

Krause
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Fritz7
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Kirche, die nicht dient - dient zu nichts!


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« Antworten #17 am: 02. Juli 2009, 11:47:15 »

WER braucht HELDEN und wenn, wofür? Den Motiven rechtzeitig misstrauen, bitte!!!


 
Die Kirche in der DDR, die auf vielfältige Weise gezwungenerweise und vielleicht im einen oder anderen Fall auch freiwillig mit dem Unterdrückungsapparat der DDR, sprich der SED mit Schild und Schwert etc., zusammengearbeitet hat, kann natürlich nicht als Ganzes die Befreiung von der DDR eingeleitet und durchgesetzt haben.
Na ja, gezwungenermaßen Huch Gerade Kirchen hatten anscheinend meist Mittel und Wege, staatlicher Repression auch in der DDR zu entkommen ... wenn sie dies denn wirklich WOLLTEN! Die (vielleicht) allzu bereite korrumpierende Anpassung ans herrschende politische System und die mangelhafte Unterstützung der Protestler und Widerständler in ihren Reihen, als dies noch subjektiv Mut zur (christlichen) Freiheit brauchte, verbietet ImhO in der Gegenwart der Kirche als Ganzes, stolz auf die Einzelnen zu verweisen, sie zu rühmen und als "Helden" zu diffamieren. Sie wollten wohl meist gar keine Helden sein sondern nur aus ihrem Gewissen keine Mördergrube machen, sich nicht korrumpieren lassen...
 
Aber es freut mich sehr, dass es gerade die kleinen Pfarrer und weniger die großen Offiziellen waren, die Anlaufpunkte für Bürgerproteste geschaffen haben. ... Und ich möchte hier ausdrücklich noch einmal betonen, dass Pfarrer Führer und viele andere Pfarrer und Kirkchenglieder für mich einen ganz wesentlichen Teil zur Friedlichen Revolution beigetragen haben und zumindest die, die am und vor dem 9. Oktober 1989 aktiv waren,
Kirche wäre für mich unerträglich, wenn es nicht wenigstens die EINZELNEN gegeben hätte, aber es waren und blieben Einzelne ... ohne glaubwürdige Rückendeckung der Kirche als Ganzes! Nee, es waren wohl nicht DIE kleinen Pfarrer (alle), sondern auch nur eine MINDERHEIT unter ihnen, aber wenigstens gab es sie ... Interessant ihr weiterer Werdegang NACH der "Wende" - Kirche hat sie meist nicht ausgezeichnet ...

Ebenso verbietet meiner persönlichen Überzeugung nach die Tradition der Kirche im Ganzen sich als Kirche der Freiheit feiern zu wollen. Es ist einfach noch zuviel Repression, zuviel voreilender Verzicht auf eigene Überzeugung und ihrer öffentlichen Kundmachung in dem Laden ... und wirds imho auch bleiben.
Die Feigheit und Trägheit zum Schreiben unangepasster Meinung - die alles lähmende Stille in diesem Forum spricht doch Bände !!! Huch "Kirche der Freiheit" ? Na ja ... Mehr Satire, (kirchen)politisches Kabaret und Karikatur wohl ...

Fritz
« Letzte Änderung: 02. Juli 2009, 11:55:30 von Fritz7 » Gespeichert

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Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)

Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
Harald Lamprecht
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« Antworten #18 am: 06. Juli 2009, 15:28:04 »

Kirche wäre für mich unerträglich, wenn es nicht wenigstens die EINZELNEN gegeben hätte, aber es waren und blieben Einzelne ... ohne glaubwürdige Rückendeckung der Kirche als Ganzes!

Offenbar gibt es an dieser Stelle sehr verschiedene Erfahrungen. Ich selbst habe die Kirche als einen Freiheitsraum erlebt, in dem Dinge möglich waren, die anderswo nicht gingen, wo das Ausdrücken einer ehrlichen eigenen Meinung gefördert und geübt wurde und wo man auch lernte für seine persönlichen Überzeugungen mit Konsequenz einzustehen, auch wenn dies Nachteile brachte.
Natürlich sind es immer Einzelne, die für so einen Raum der Freiheit sorgen. Die Einzelnen, die ich kennenlernen durfte, taten dies aber im kirchlichen Rahmen und im kirchlichen Auftrag, so dass ich dies als gelebte Kirche vor Ort erfahren habe. Es waren kirchlich organisierte Übungen für gelebte Freiheit, die ich als enorme Rückendeckung erleben konnte.
Und - das möchte ich deutlich sagen - auch in meinem Bekanntenkreis überwiegen die positiven Erfahrungen die (auch vorhandenen) negativen deutlich.

Den politischen Weg der Kirchenleitung in der DDR im nachhinein pauschal und zugleich sachgerecht zu beurteilen erscheint mir unmöglich. Aus dem historischen Abstand urteilt es sich immer leicht, oftmals zu leicht. Diplomatie ist die Inkaufnahme des kleineren zur Vermeidung des größeren Übels und eine Entscheidung, welches vermutlich das eine und welches das andere darstellt. Auch die Vertreter der Kirche in der DDR mussten oft diplomatisch handeln. Manches kann man jetzt als korrumpierende Anpassung beschimpfen, anderes als mutiges Herauswagen loben, aber ein genaues Bild wird man nur unter der Berücksichtigung des Einzelfalles erhalten können.

Zum Forum: Auch dies ist ein Raum der Freiheit in dem man schreiben kann, wenn man möchte oder auch nur lesen, wenn man möchte. Im Raum der Kirche ist Stille nicht immer lähmend, sondern manchmal auch meditativ. Zwinkernd

HL
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Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Fritz7
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Kirche, die nicht dient - dient zu nichts!


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« Antworten #19 am: 27. August 2009, 12:08:44 »

Natürlich sind es immer Einzelne, die für so einen Raum der Freiheit sorgen. Die Einzelnen, die ich kennenlernen durfte, taten dies aber im kirchlichen Rahmen und im kirchlichen Auftrag
Ja, diese Einzelnen habe ich auch kennengelernt, natürlich im wohlverstandenen kirchlichen Auftrag. Sie haben mir Mut gemacht und ich ihnen hoffentlich auch ...
Aber da ist auch eine Mehrheit derer, die diesen kirchlichen Aufrag nicht erhalten haben oder ihn unsanktioniert ignorierten.
Ich habe mehr Menschen mit Angst vorm Aufffallen in Kirche kennengelernt als außerhalb und imho viel zu wenigen diese Angst nehmen können. Der institionelle Druck scheint wirksamer ...

Diplomatie ist die Inkaufnahme des kleineren zur Vermeidung des größeren Übels und eine Entscheidung, welches vermutlich das eine und welches das andere darstellt.
Wenns denn Entscheidung (intellektuell nachvollziehbar und gemäß den Amtspflichten) war und nicht nur Angst, Bequemlichkeit, Konfliktscheu, Gewöhnung, Angepasstheit, Obrigkeitshörigkeit, Unfähigkeit, persönliches Kalkül etc.

Korumpierbarkeit fängt ja persönlich unvorwerfbar auf niedrigstem Level an und macht dann in der Folge abhängig.
Kirche muß aber erkennbar unabhängig von den Mächtigen der Gesellschaft sein, wenn sie nicht zunächst ihre Glaubwürdigkeit verlieren will und dann Kirche bleiben.

Für Traditionvery *friendly* personheraner und Pietisten vielleicht ganz schön schwer und ungewohnt ... diese politisch einmischende eben nicht stille Unabhängigkeit

Fritz
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