Jürgen Gruël
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« am: 10. September 2009, 11:18:23 » |
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Im Gegensatz zur Willensfreiheit stellen - Bewusstsein und - 'bewusst wahrgenommene sensorische1) Informationen', kurz: Sinneswahrnehmungen2), psychische Phänomene dar, die uns so real erscheinen, dass man sie sicher nicht als Trugbild betrachten kann, für die es aber (bisher) ebenfalls keine wissenschaftliche Erklärung gibt. Als Kriterium für eine wissenschaftliche Erklärung sollte hier nicht das wohl kaum je realisierbare Unterfangen gelten, im Detail aufzuklären, wie die Prozesse im menschlichen Gehirn zu Sinneswahrnehmungen und Bewusstsein führen. Als Kriterium könnte aber gelten, ob es möglich ist, im Prinzip anzugeben, welche Prozesse in einem Roboter ablaufen müssten, um bei ihm ähnliche Phänomene auszulösen. Es ist zwar fraglich, ob man das Ergebnis überprüfen könnte; ein größeres Problem besteht dagegen darin, dass man das Ziel auch nicht ansatzweise beschreiben kann, von welcher Natur diese Phänomene Sinneswahrnehmungen / Bewusstsein eigentlich sind. Demzufolge kann man auch nicht die Informationsprozesse angeben (und gleich gar nicht programmieren), die zu diesem Ziel führen.3) Dabei geht es nicht um die Nachbildung der möglichen Reflexe (z.B. auf eine Schmerzwahrnehmung), sondern um das Phänomen, dass der sensorische Reiz bewusst wahrgenommen wird (z.B. als Schmerz). Diese Art von bewusstem Wahrnehmen wird bekanntlich auch schon höheren Tieren zugesprochen („Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt genau wie du den Schmerz.“)
Zum Phänomen der Sinneswahrnehmung bedenke man auch: • Sie entsteht im Gehirn und nicht in der Zehe, die man sich eben gestoßen hat. • Es gibt Sinneswahrnehmungen, denen keine physische Realität entspricht (z.B. Phantomschmerz). • Andererseits gibt es Reflexe, (z.B. Schreck- und Abwehrreaktionen), die schon beginnen, ehe überhaupt deren Ursache (z.B. die heiße Herdplatte) bewusst wahrgenommen worden ist.
Es ist bekannt, dass sensorische Aktivitäten, geistige Zustände und Prozesse, bevor sie gegebenenfalls ins Bewusstsein vordringen oder dahin weitergereicht werden, zuerst im Unterbewusstsein umfangreiche und komplexe Verarbeitung erfahren.4) Auch hier ist - ebenso wie bei dem Problem Willensfreiheit - der Hinweis auf die Komplexität bei weitem keine Erklärung.
Es ist erstaunlich, welche Diskrepanz besteht - einerseits in der Erkenntnis der Welt (oder zumindest deren wissenschaftlicher Beschreibung) und - andererseits dem Verstehen der Phänomene Sinneswahrnehmungen / Bewusstsein:
Wir wissen (oder glauben zu wissen), wie die Welt in der ersten Sekunde nach dem Urknall aussah, aber für die uns unmittelbar berührenden Phänomene Sinneswahrnehmungen / Bewusstsein gibt es m.E. auch nicht die Spur einer Ahnung, wie diese zu beschreiben, zu erklären, zu verstehen sind.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Fußnoten: 1) Dabei geht es nicht nur um sensorische Reize i.e.S. 2) Nachfolgend wird (bewusste) Sinneswahrnehmung auch als Bewusstsein i.w.S. bezeichnet. 3) Man bedenke, dass es bei anderen schwierigen naturwissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. 'Enstehung des ersten Lebens' oder 'Was war vor dem Urknall?', wenigstens Hypothesen, mögliche Prinziplösungen gibt (auch wenn diese z.T. prinzipiell nicht nachgeprüft werden können, sodass sie reine Spekulationen darstellen). 4) Bekanntlich werden die sensorische Informationen und die Informationsprozesse im Gehirn nur zu einem kleinen Teil (als Sinneswahrnehmungen, Gefühle, Gedanken u.a.) an die Bewusstseins-Sphäre weitergereicht. Zum Beispiel werden leise Geräusche im Schlaf i.allg. nicht wahrgenommen, wohl aber von einer schlafenden Mutter bestimmte Geräusche ihres Babys.
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